Feldstudie mit Kalle

Keine Kommentare »

Wir waren mal wieder bei Anne in ihrer Künstlermühle. Während sich unsere Frauchen mit ihrer ostfriesischen Teezeremonie beschäftigten, stromerten Kalle und ich draußen herum. Der Mühlengarten ist riesig, viel größer als unser eigener Garten. Aber Kalle reicht das offenbar nicht. Um seinen Aktionsradius zu erweitern, nutzt er einen Durchschlupf in der Hecke. Von dort gelangt man direkt auf ein Feld, das dem Biobauern Renke Frerichs gehört. Es riecht dort intensiv nach Wildkaninchen. Deshalb hielten wir uns gar nicht lange im Mühlengarten auf, sondern stürmten gleich ratzfatz ab durch die Hecke auf das Feld.

Ich kann nicht sagen, wie lange wir dort waren. Beim Herumschnüffeln und Herumbuddeln habe ich jedes Zeitgefühl verloren. Aber irgendwann meldete sich mein Magen und wir sind zurück zur Mühle. Weil wir vom Kopf bis zur Schwanzspitze voller Erde waren, ahnte Frauchen sofort, wo wir waren.

„Um das Loch in der Hecke musst du dich mal kümmern“, sagte Frauchen zu Anne.

„Warum denn?“, fragte Anne.

„Weil die Hunde sonst Renkes Feld kaputtbuddeln“, erklärte Frauchen.

„Wieso, was wächst denn da jetzt? Wir haben doch fast Winter!“, sagte Anne.

„Vielleicht hat er Wintergetreide gesät. Aber auch wenn das Feld ruht, ist es ja wohl klar, dass Löcher im Boden nicht gut sein können“, entgegnete Frauchen.

„Als Biobauer wird Renke wohl nichts dagegen haben, wenn Tiere auf seinem Feld sind. Außerdem hat er selbst einen Hund. Und die Kaninchen, die auf seinem Feld leben, buddeln ja auch Löcher“, antwortete Anne und fügte hinzu: „Bis jetzt hat Renke sich noch nicht bei mir beschwert.“

„Na, wenn du es unbedingt so weit kommen lassen willst“, meinte Frauchen.

Auf dem Nachhauseweg lief Frauchen und mir ausgerechnet Renke über den Weg. Ich spürte mein schlechtes Gewissen. Nachdem die beiden einander „Moin“ gewünscht hatten, verpetzte Frauchen mich: „Ich glaube, Tomke hat heute auf deinem Feld Löcher gegraben. Es tut mir leid, ich passe in Zukunft besser auf.“ Renke strich mit der Hand freundlich durch mein Fell.

„Es wäre nett, wenn du das deiner Freundin Anne auch mal sagen könntest. Ihr Kalle treibt nämlich täglich sein Unwesen auf meinen Feldern“, sagte Renke.

„Mache ich. Aber es wäre bestimmt besser, wenn du es ihr selbst sagst“, riet ihm Anne.

„Mal sehen. Bis dann“, sagte er und ging weiter.

Ob Frauchen gesehen hat, wie sich bei ihrem Vorschlag Renkes Wangen röteten? Ich glaube, er mag Anne sehr gern. Sonst hätte er sie doch schon längst darauf angesprochen, dass Kalle immer auf seinem Feld herumtobt. Anders kann ich es mir nicht erklären. Ich bin gespannt, wie die Sache weitergeht. Ihr auch?

Macht’s gut, ich melde mich bald wieder!

Eure Tomke

iStock_000031657134Small