Im Paradies der tausend Gerüche

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„Tomke versteht jedes Wort“, sagt Frauchen gern zu Mattes, also zu meinem Herrchen. Und sie hat recht: Obwohl Frauchen nicht bellt, klappt es mit unserer Verständigung bestens. Ich weiß eigentlich immer, was sie mir mitteilen möchte. Oft genug auch, bevor sie etwas sagt.

Wie zum Beispiel gestern: Als Frauchen ihre Boots aus dem Schuhregal holte, war mir sofort klar: Waldspaziergang! Die Boots zieht sie nämlich immer an, wenn wir in den Wald gehen. Begeistert und unermüdlich wedelnd sprang ich vor meinem staunenden Frauchen auf und ab. „Meine Schlaumeierin!“, rief sie. „Du weißt wieder genau, was anliegt! Jetzt geht’s nämlich in den Wald!“

Ich liebe es, im Wald zu sein! Das ist eine Welt voller spannender Gerüche. Es duftet nach Wildtieren, Pflanzen und ist das reinste Nasenparadies! Vor lauter Vorfreude konnte ich mich gar nicht wieder einkriegen. Übermütig schnappte ich mir einen von Frauchens Boots und schüttelte ihn kräftig durch. „Hey, das ist meiner. Her damit!“, rief Frauchen und nahm mir den Schuh ab.

Als Frauchen die Haustür öffnete, stürmte ich ungeduldig nach draußen – und stellte fest: Ausgerechnet jetzt fing es an zu regnen. So eine Enttäuschung! Ich machte „auf der Pfote kehrt“ und drängte mich an Frauchen vorbei zurück ins Haus. Wald hin, Wald her, wenn es regnet, bleibe ich lieber im Trockenen.

Aber Frauchen wollte sich von ihrem Vorhaben nicht abbringen lassen. Sie schlüpfte in ihre Regenjacke, legte mir mein Geschirr und die Leine an und sagte aufmunternd: „Na, komm schon! Das ist nur ein kurzer Schauer.“ Sachte zog Frauchen an meiner Leine, doch ich rührte mich nicht vom Fleck. Erst als Frauchen aus ihrer Jackentasche meinen Lieblings-Hundekeks hervorzauberte, ließ ich mich überzeugen. Ich schnappte mir das Leckerli und trottete brav hinter Frauchen her. Bald stellte ich fest: Sobald man sich überwunden hat, ist es gar nicht mehr so schlimm. Trotzdem war ich froh, dass sich die Wolken bald verzogen und es wieder aufklarte.

Im Wald gefiel es mir fast noch besser als sonst. Weil es geregnet hatte, roch der Boden besonders intensiv. Schon nach kurzer Zeit entdeckte ich Rehe! Sie ergriffen die Flucht, als sie uns bemerkten. Wenn Frauchen es erlaubt hätte, wäre ich ihnen am liebsten nachgejagt. Aber es gab auch so genug für mich zu tun: Duftmarken anderer Hunde überpinkeln (Das machen nur Rüden? Von wegen!), Fährten analysieren, Erdhaufen mit verführerischem Mausgeruch aufwühlen, wälzen und vieles mehr. Entsprechend erdig sah ich anschließend aus …

Das Wort „Dusche“ brauchte Frauchen gar nicht erst auszusprechen – ich wusste auch so, was mich zu Hause erwartete. Unter der Dusche ist es wie im Regen: nass! Aber da musste ich nun durch. Trotzdem: Insgesamt war das ein richtig toller Tag!

Bis bald!

Eure Tomke