Kalle in Angst und Schrecken

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Puh, bin ich froh, dass Silvester vorbei ist. Ihr auch? Dieser Lärm! Hundefreundlich ist die Knallerei jedenfalls nicht. Speziell für Kalle nicht. Wir beide waren nämlich allein bei uns zu Hause, weil Frauchen und Mattes mit Anne zum Dorffest gegangen sind.

Anfangs war ich richtig froh, dass Kalle da war. Doch Kalle, der normalerweise vor nichts zurückschreckt, verkroch sich schon nach den ersten Böllerkrachern zitternd unter dem Wohnzimmertisch. So ein Angsthase! Ich holte mein Tau-Spielzeug und versuchte, ihn mit einem Zerrspiel aufzumuntern. Dafür ist er normalerweise immer zu haben! Diesmal nicht: keine Reaktion. Noch nicht einmal meiner heiß geliebten Plüsch-Ente schenkte er Beachtung! Schließlich bearbeitete ich genau vor seiner Nase meinen Lachs-Kauknochen. Er schnupperte ein paar Mal in meine Richtung, zuckte aber sofort zusammen, weil draußen Silvesterraketen zischten und Böller explodierten. Nix zu machen!

Ihr glaubt gar nicht, wie erleichtert ich war, als ich gegen 23 Uhr Frauchens Schlüssel im Schloss hörte. Eigentlich wollte sie nur kurz schauen, ob mit Kalle und mir alles okay ist. Dann entdeckte sie den verängstigten Kalle, der sein Versteck unter dem Tisch partout nicht verlassen wollte. Und auch mein mitleiderregender Gesichtsausdruck trug bestimmt dazu bei, dass sie lieber bei uns blieb und nicht wieder zu der Feier zurückkehrte. Mein Frauchen ist und bleibt nun einmal das beste Frauchen der Welt!

„Wisst ihr was? Ich rufe die anderen an und dann feiern wir eben hier weiter“, sagte sie. „Damit wir bei euch sind.“

Kurze Zeit später trudelten dann Mattes und Anne ein. Anne kümmerte sich sofort um Kalle, wuschelte ihm durch das Fell und redete beruhigend auf ihn ein. Kalle hob den Kopf und wedelte sogar ein bisschen, aber er zuckte weiterhin bei jedem ungewohnten Geräusch zusammen und blieb unter dem Tisch. Tse!

Um Mitternacht wurde es richtig laut! Frauchen, Mattes und Anne prosteten einander zu und standen wie gebannt am Fenster, um das Feuerwerk zu bestaunen. Es blitzte in allen Farben, heulte, prasselte und donnerte – unerträglich! Angst hatte ich zwar nicht, trotzdem kroch ich zur Sicherheit mit eingekniffenem Schwanz zu Kalle. Was den Menschen an diesem Getöse gefiel, war mir ein Rätsel. Ich wagte mich erst wieder hervor, nachdem der schlimmste Lärm verebbt war und es an der Tür klingelte. Renke Frerichs, der Biobauer, kam vorbei, um uns allen ein frohes neues Jahr zu wünschen. Für Frauchen, Mattes und Anne hatte er kleine Töpfchen mit Glücksklee mitgebracht. Und für Kalle und mich einen Ochsenziemer. Klasse! Ein netter Mensch, dieser Renke! Als Anne ihn umarmte und ihm alles Gute für 2014 wünschte, wurde er ganz rot im Gesicht …

Im Dorf sah es am nächsten Tag wüst aus. Überall lagen Papierfetzen von den Feuerwerkskörpern herum. Beim Spaziergang trafen Frauchen und ich den „Buurmester“, der den Dreck in unserer Straße zusammenfegte. „Buurmester“ ist plattdeutsch und bedeutet „Bürgermeister“. So nennen die Dorfbewohner ihn, weil er extrem hilfsbereit ist und sich immer sehr für unser Dorf einsetzt. Der „Buurmester“ ist schon sehr alt, bestimmt schon siebzig, achtzig oder neunzig. Ich habe ihn noch nie ohne seine Prinz-Heinrich-Mütze gesehen. Ein Prinz ist er nicht, aber Heinrich heißt er auch, Heinrich Tietjen. Manche sagen deshalb „Hein“ zu ihm. Alle hier im Dorf mögen den „Buurmester“ gern. Ich auch, denn er hat immer ein Leckerli für mich in der Tasche. „Tach, Tomke!“, sagt er dann immer und wenn ich ihm dann mein Pfötchen gebe, bekomme ich das Leckerli. Sehr sympathisch, unser „Buurmester“. 🙂

So, Freunde, das war’s für heute – ein frohes neues Jahr!

Liebe Grüße von

eurer Tomke