Katzen sind irgendwie anders

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Was ich überhaupt nicht mag: Wenn die Katze von der Frau Wiemers durch unseren Garten stromert. Und dann auch noch in Frauchens Staudenbeet pupert! Das sollte ich mir mal bei der Wiemers erlauben! Die schlägt schon Alarm, wenn ich an ihrer stacheligen Hecke auch nur schnuppere. Frauchen hat auch nicht gern mit der Wiemers zu tun. Die tratscht ihr zu viel, sagt sie, vor allem über Anne, das Frauchen von Kalle. Und über Renke Frerichs, den Biobauern, über den tratscht sie auch, weil er keine Frau hat. Deshalb nennt Frauchen die Wiemers meistens nur „die Tratschsuse“.
Aber: Nachbarn kann man sich leider nicht aussuchen…

Zurück zu der komischen Katze: Lady heißt sie, ein völlig unpassender Name, da sie sich alles andere als damenhaft verhält, finde ich! Meistens beachte ich sie gar nicht, wir leben sozusagen in friedlicher Koexistenz, solange sie in ihrem Garten bleibt (und ich in unserem). Wenn ich draußen bin, würde sie sich nie in mein Revier wagen. Doch sie weiß genau, dass ich nur raus kann, wenn Frauchen mir die Tür öffnet. Kaum bin ich im Haus, stolziert sie gern auf unserem Grundstück herum und beobachtet mich, wie ich im Wohnzimmer in meinem Hundebett relaxe oder genüsslich einen Kauzopf bearbeite.

Ich glaube, es macht ihr richtig Spaß, mich zu provozieren. So wie vorhin: Da lag sie vor unserer Terrasse und starrte mich seelenruhig an, während ich sie von drinnen empört anbellte. Ihre Unverfrorenheit hat mich so sehr aufgeregt, dass ich mit der Schnauze gegen die Terrassentür stieß, die, wie ich dann feststellte, nur angelehnt war. Damit hatte ich nicht gerechnet – und Lady auch nicht! Ich sprang ins Freie, war mit einem Satz und lautstark bellend bei ihr. Sie miaute auf, fauchte mich angriffslustig an und machte einen Buckel, das hättet ihr mal sehen sollen! Hut ab, das Katzenfräulein hat Mut, dachte ich insgeheim – schließlich besitze ich eine durchaus Respekt einflößende Statur und bin mindestens viermal so groß wie sie. Das schien ihr auch klar zu werden, jedenfalls verließ sie unseren Garten in gestrecktem Galopp.

Inzwischen war auch Frauchen aufmerksam geworden. „Hoffentlich hat das die Tratschsuse nicht mitbekommen“, sagte sie gerade noch, aber da läutete es bereits und die Wiemers stand bei uns auf der Matte.

„Dein schrecklicher Hund hat Lady angefallen!“, kreischte sie und guckte mich an, als wäre ich ein Monster.
„So’n Quatsch“, sagte Frauchen. „Tomke hat nur ein bisschen gebellt und Lady nicht mal berührt.“ „Da bin ich mir nicht so sicher, das hörte sich ganz anders an. Und Lady wirkt vollkommen traumatisiert“, jammerte sie.
Frauchen wurde langsam ungeduldig: „Nun beruhige dich mal wieder, Britta. Und lass mal die Kirche im Dorf, du weißt doch, dass Tomke deiner Katze und auch sonst niemandem jemals auch nur ein Härchen krümmen würde.“

So ging das noch eine ganze Weile hin und her – viel Aufregung um nichts. Das mit der Tratschsuse Wiemers möchte ich Frauchen nicht noch einmal zumuten. Deshalb werde ich Lady künftig ignorieren, ganz egal, was sie veranstaltet. Oder was meint ihr?

Oh, jetzt muss ich ganz schnell in die Küche – Frauchen packt irgendetwas aus. Das Rascheln klingt vielversprechend … es könnte sich um meine Lieblings-Hundekekse handeln!

Freundlich wedelnde Grüße von

eurer Tomke

 

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