Tomke und das Leberwurst-Brötchen

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Moin, moin, da bin ich wieder!

Wo waren wir beim letzten Mal stehengeblieben? Ach ja, beim Metzger-Laden. Dort kauft Frauchen freitags gern ein. Und ich darf immer mit! Nur leider nicht mit ins Geschäft. Das will die mollige Metzgersfrau nicht. Frau Murken heißt sie. Trotzdem versuche ich es natürlich immer wieder, denn der Laden riecht extrem lecker. Schade, dass Frau Murken in dieser Hinsicht absolut keinen Spaß versteht – im Gegensatz zu ihrer hundefreundlichen Mitarbeiterin. Ihren Namen kenne ich nicht, aber sie ist klasse, weil sie mir immer heimlich ein Stück Wurst schenkt.

So war es auch in der vorletzten Woche: Frauchen betrat den Laden, drehte sich an der Tür zu mir um und sagte: „Tomke, schön artig warten. Ich komme gleich wieder.“ Ich machte ein möglichst vertrauenswürdiges Gesicht, konnte mir aber ein vorfreudiges Hecheln nicht verkneifen. Bevor die Tür sich hinter Frauchen schloss, schlüpfte ich in den Laden. Mir stieg sofort ein unverkennbarer Leberwurst-Duft in die Nase – herrlich!

Sofort keifte Frau Murken los: „Jedes Mal dasselbe! Der Hund darf hier nicht mit rein, das wissen Sie genau, Frau Janssen. Zum Anbinden haben wir extra einen Ring an der Hauswand.“ Mit hängendem Schwanz ließ ich mich von Frauchen nach draußen schieben, erhaschte aber noch einen Blick auf die nette Kollegin, die mir vom Tresen aus verschwörerisch zuzwinkerte. Ein bedeutsames Zeichen!

Kaum war Frauchen wieder im Laden, flitzte ich zum Seiteneingang der Metzgerei. Die Mitarbeiterin wartete bereits auf mich. Sie steckte mir ein köstliches halbes Leberwurst-Brötchen zu, das ich in Windeseile verschlang. Frauchen durfte davon keinesfalls etwas bemerken. Weil ich Leberwurst-Brötchen schlecht vertrage. Zu viele Gewürze und zu viel Fett sind da drin. Das ist mir aber egal, wenn es doch so gut schmeckt! Außerdem soll ich von Fremden kein Futter annehmen. Ich finde: Wer mir jede Woche etwas Leckeres schenkt, ist mir sehr vertraut und alles andere als fremd. Frauchen wäre da sicher anderer Meinung.

Deshalb beeilte ich mich und sauste zur Vordertür zurück. Leider etwas zu spät, denn Frauchen stand schon vor dem Laden und blickte suchend umher. „Wo warst du denn?“, fragte sie und betrachtete mich misstrauisch. Ich setzte meine Unschuldsmiene auf. „Da sind Krümel an deiner Schnauze. Pfui ist das, du sollst doch nichts von der Straße fressen“, rief sie streng.

Später hatte ich dann tatsächliche Bauchschmerzen. In meinem Inneren rumorte es heftig. Mattes, so heißt Frauchens Mann, also mein Herrchen, fragte: „Linda, was ist denn mit Tomke los? Ist sie krank?“ Beide schauten mich besorgt an. „Sie ist nicht gut drauf, das hat sie jeden Freitag. Merkwürdig. Sie hat auf der Straße irgendetwas gefressen. Ich gehe morgen mit ihr zum Tierarzt, wenn es nicht besser wird – schau mal, das hat sie verstanden, sie stellt die Ohren auf“, sagte Frauchen.

Oh, nein! Bitte nicht zum Tierarzt! 🙁 Dort ist es schrecklich! Beim Gedanken an den Untersuchungstisch wurde mir erst richtig flau – und das hatte garantiert nichts mit dem Leberwurst-Brötchen zu tun!

Was meint Ihr, konnte ich mich um den Tierarztbesuch drücken? 😉

Eure Tomke